EPDT 2012

Dokumentationen der Veranstaltung vom 30. bis 31. Mai 2012

"Ernährungssicherung ja! Aber wie?"

Die Suche nach einer ökologisch, sozial und ökonomisch verträglichen Ressourcennutzung
In Kooperation mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

Einige Wochen vor Rio+20 ist die Zukunftsvision des Nachhaltigen Wachstums, auch “Green Economy” genannt, in aller Munde. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit die Dreidimensionalität des ursprünglichen Nachhaltigkeitskonzepts auf politischem Parkett bestehen bleibt.
Die Lösung des Hungerproblems stellt eine zentrale Herausforderung für die Menschheit dar. Trotz eines bestehenden Menschenrechts auf Nahrung steigt die Zahl der Hungernden weltweit an.  Es gibt viele offene Fragen hinsichtlich der Handlungswege und Umsetzungsmöglichkeiten der Ernährungssicherung und Ausgestaltung der Landwirtschaft. Dem sicheren Zugang zu natürlichen Ressourcen für marginalisierte Bevölkerungsgruppen, insbesondere für Kleinbauern, kommt dabei besondere Bedeutung zu. Dies ist erfasst im Konzept der Ernährungssouveränität.
In einer Podiumsdiskussion soll die Komplexität der Neuausrichtung der Ernährungssicherung im Spannungsfeld zwischen Umweltverträglichkeit, sozialer Akzeptanz und ökonomischer Rentabilität aufgezeigt werden.

1) Die Lösung des Hungerproblems stellt eine der größten Herausforderungen für die Menschheit dar. Wie kann Ernährungssicherung nachhaltig, also ökologisch, sozial und ökonomisch verträglich gestaltet werden?
2) Ein sicherer Zugang zu natürlichen Ressourcen ist ein wichtiger Faktor zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung. Wie kann der Zugang zu produktiven Ressourcen für marginalisierte Bevölkerungsgruppen gewährleistet werden? Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Konzept der Ernährungssouveränität?
3) Landwirtschaft hat eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Hungerproblems. Wie sollte Landwirtschaft gestaltet werden, um nachhaltig zur Ernährungssicherung beizutragen? Welche Rolle haben dabei die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern?

Beiträge von: Dr. Thomas Breuer (GIZ), Astrid Jakobs de Pádua (BMELV), Barbara Unmüßig (Heinrich-Böll-Stiftung e.V.), Michael Windfuhr (Deutsches Institut für Menschenrechte)


"Innovation, Stagnation oder Rückschritt – Macht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sich überflüssig?"

Innovation steht in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) derzeit ganz oben auf der Agenda. Aber wie innovativ ist die deutsche EZ wirklich? Auf internationaler Ebene gelten Budgethilfe und multilaterale Politikansätze als adäquate Instrumente, um Eigenverantwortung (ownership) zu fördern. Der deutsche Fokus liegt jedoch auf bilateralen Projekten, neuen Finanzierungskonzepten und enger Kooperation mit der Privatwirtschaft. Auch das allgemeine Ziel der EZ, sich durch die Ausbildung lokaler Fachkräfte entbehrlich zu machen, scheint nicht ausreichend im Mittelpunkt zu stehen. Stattdessen ist die größte deutsche Durchführungsorganisation auf Wachstumskurs und strebt an, Weltmarktführer zu werden.
„Wirksame EZ muss sich selbst überflüssig machen“ – befindet sich die deutsche EZ im Hinblick auf diesen Leitgedanken auf dem richtigen Weg? Stellen die aktuellen Trends nicht eher eine Stagnation oder gar einen Rückschritt dar? In der Podiumsdiskussion wird die derzeitige Ausrichtung der deutschen EZ debattiert. Mögliche Spannungsverhältnisse zu internationalen entwicklungspolitischen Grundsätzen bilden dabei Grundlage der Diskussion.

1) In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, die Wirksamkeit der EZ zu stärken. Die Ergebnisse blieben dennoch unbefriedigend.
Fehlt der politische Wille? Haben sich die Instrumente nicht bewährt? Oder liegen die Ursachen woanders?
2) Die neue Ausrichtung der deutschen EZ legt einen starken Fokus auf Kooperationen mit der Privatwirtschaft und betont neue Finanzierungskonzepte (z.B. Aid on Delivery). Gleichzeitig wendet sie sich von Instrumenten, wie der Budgethilfe, ab und konzentriert sich weiterhin auf bilaterale Vorhaben.
Garantiert diese Orientierung im Sinne marktbasierter Lösungsansätze eine verbesserte Wirksamkeit der EZ? Wie ist der deutsche Weg hinsichtlich der international erarbeiteten Grundsätze zu bewerten?
3) EZ-Organisationen tendieren dazu, ihr Portfolio auszubauen und zu wachsen – dies wird deutlich am Anspruch der GIZ, „Weltmarktführer“ zu werden.
Was bedeutet dieser Anspruch für die Umsetzung innovativer Ansätze, die auf dem Ownership-Gedanken basieren, und entsprechend die langfristige Selbstabschaffung der EZ anstreben?
4) Capacity building ist eine fundamentale Voraussetzung für die sinnvolle Umsetzung des Ownership-Prinzips.
Wie müsste der zukünftige programmatische Fokus der deutschen staatlichen und nicht-staatlichen EZ auf Capacity Building ausgestaltet sein? Wie kann sichergestellt werden, dass nationale Steuerungskapazitäten erhöht werden, und damit der Aufbau funktionsfähiger staatlicher Strukturen gefördert wird?

Beiträge von: Jens Martens (Global Policy Forum Europe), Mathias Mogge (Welthungerhilfe), Dr. Salua Nour (Freie Universität Berlin), Dr. Tanja Rödiger-Vorwerk (BMZ)


„Ab in den Norden?“
Trends und Herausforderungen für den Personaleinsatz in der Entwicklungszusammenarbeit"

Im Zuge der internationalen Konferenzen zu Wirksamkeit haben sich neue Ansprüche an die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ergeben. Bei konsequenter Umsetzung sollten sich diese auch auf den Einsatz von EZ-Personal auswirken. Gleichzeitig verändern schwierigere Standorte, komplexere Themen und neue Geber das Berufsfeld. Eine stärkere Einbeziehung lokaler Fachkräfte ist grundsätzlich Konsens in der EZ – nichtsdestotrotz ist die Anzahl deutscher Fachkräfte in den letzten Jahren gestiegen.
Zieht sich die staatliche EZ des Nordens aus der lokalen Ebene des Südens zurück, um sich in strategischen Beratungsfunktionen zu positionieren? Schaffen Fachkräfte aus dem Süden den Sprung in internationale Organisationen und werden überregional tätig? Wird klassisches EZ-Personal zunehmend durch EZ-fremde Fachspezialisten ersetzt? Mögliche Auswirkungen dieser Herausforderungen auf den deutschen EZ-Personaleinsatz sollen in der Podiumsdiskussion debattiert werden.

1) In den vergangenen Jahren wurden zunehmend Stellen in der deutschen EZ geschaffen und vermehrt Personal entsendet. Wie verträgt sich diese Tatsache mit dem Anspruch der EZ, mittelfristig Verantwortung an die Partnerländer zu übertragen?
2) Die EZ hat sich neuen Themen zugewendet (Klima, Finanzen, Energie etc.), die Fachexpertise verlangen. Ersetzen in Zukunft EZ-fremde Spezialisten zunehmend die klassischen EZ-Fachkräfte?
3) Im Zuge der Nord-Süd-Integration sollen Fachkräfte aus dem Süden verstärkt in Geber-Institutionen eingebunden werden. Sind die Institutionen dazu bereit, diese lokalen Fachkräfte zu integrieren und einen Teil der Verantwortung zu übertragen (Stichwort: Ownership)? Verfügen die EZ-Institutionen über Strukturen, um Fachkräfte aus dem Süden überregional und im Rahmen von Süd-Süd-Kooperationen einzusetzen?  

Beiträge von: Prof. Dr. Claudia von Braunmühl (Freie Universität Berlin), Helge Espe (Fredskorpset Norwegen), Dr. Ricardo Gómez (GIZ), Prof. Dr. Samuel Quive (Universität Eduardo Mondlane Maputo)